„Esau sprach: Ich habe genug. Jakob antwortete: Ich habe genug.“
1 Mose 33,9.11.
Es ist eben so selten, wie es angenehm ist, einen Menschen anzutreffen, der genug hat; die große Mehrzahl trachtet nach mehr. Hier sehen wir zwei Personen, welche zufrieden waren. Es ist wahr, sie waren beide reiche Männer, aber diese sind oft habsüchtiger als die Armen. Was noch merkwürdiger ist: wir haben hier nicht nur zwei Männer, sondern zwei Brüder, und zwei Brüder von verschiedener Gesinnung, davon jeder sagt: „Ich habe genug.“ Wo finden wir zwei Brüder, die ihnen gleichen? Gewiss ruhte ihres Vaters Segen auf diesen zufriedenen Zwillingen. Sie waren große Wunder.
Weil Esau andere Fehler hat, so ist nicht notwendig, dass er auch unzufrieden und habgierig sein muss! Zufriedenheit ist sowohl eine moralische Vortrefflichkeit wie eine geistliche Gnade. Zuweilen sind auch unbekehrte Menschen mit ihrem Los in diesem Leben ganz zufrieden.
Das Kind Gottes sollte sich seiner Unzufriedenheit schämen, zumal selbst ein gewöhnlicher Sünder davon frei sein kann. Es sollte von Herzen zufrieden sein, denn es hat alles, und was kann es noch mehr wünschen?
Eine arme christliche Frau, welche ihr Fasten einstellte, rief aus, indem sie eine Brotrinde und einen Bechers Wassers nahm: „Was! dies alles und Christum dazu!“
Ein Puritaner-Prediger sagte, indem er Gottes Segen über Kartoffel und Hering erflehte: „Herr, wir danken Dir, dass Du Land und Meer durchforscht hast, um Nahrung für Deine Kinder zu finden.“
Ist nicht die Biene ebenso zufrieden, sich vom Tau oder vom Saugen an einer Blume zu nähren, wie der Ochse, der auf den Bergen grast? Zufriedenheit liegt innerhalb eines Menschen, in seinem Herzen, und der Weg, genug zu haben, ist nicht, unsere Scheune gefüllt zu sehen, sondern das Herz ruhig zu wissen. Der zufriedene Mensch (sagt Seneca) ist der glückliche Mensch.
Unzufriedenheit beraubt einen Menschen des Vermögens, das zu genießen, was er hat. Einige Tropfen Essig machen ein ganzes Glas Wein sauer. T Watson.
Als ein vorbildliches Beispiel von der Zufriedenheit mancher unwiedergeborenen Personen beachte das folgende: Der Kapitän eines Walfischfängers sagte zu einem armen eingebornen Grönländer, dass er aufrichtig das elende Leben beklage, zu welchem er verurteilt sei. „Elendes Leben!“ rief der Heide aus. „Ich habe noch jederzeit eine Fischgräte unter meiner Nase gehabt und habe reichlich Fischtran zu trinken; was könnte ich mir mehr wünschen?“